Herbst in Scherlebeck

Herbst in Scherlebeck

Wenn der Sommer zu Ende geht …

und der Bauer nach seinem reifen Getreide schaut wurde die Kinderschar schon hibbelig. Es kam der Tag an dem der Mähdrecher die Körner vom Stroh trennt. Dann lag haufenweise das Stroh herum und wir warteten auf den Tag als der Bauer mit der Heuballenpressmaschine über das Feld fuhr. Hinten aus der Maschine kamen ganz viele rechteckige Strohballen heraus. Das war das Startsignal.Strohballenburg Wir Kinder flitzen über das Feld und zogen und zerrten die Ballen in der Mitte des Feldes zusammen. Der Bauer fand das ganz gut, er hatte alle Ballen auf einem Haufen und brauchte sie nur noch aufladen. Aber … – er ließ die Ballen gut eine Woche in unserer Obhut.

Dann ging es los. Die Ballen wurden zur Strohburg zusammen gestellt. Lage um Lage wuchs die Burg zu einer immensen Größe heran. Und dann der große Moment. Die gesamten Kinder der Strasse bevölkerten das Strohgebäude. Das Allergrößte war dann die Übernachtung unter freiem Himmel. Den Geruch des frischen Heus habe ich heute noch in der Nase. Trotz der schweren Arbeit unserer Väter, manche hatten sogar Spät- oder Nachtschicht, wurden wir von ihnen bewacht. Heute weiß ich was das nach harter Arbeit bedeutet hat.

Die Burg alleine reichte nicht. Es gab einen winzigen Schreibwarenladen gleich neben unserer Wohnung. Dort gab es Bindfaden, Holzleisten und Pergamentpapier. Alles klar? Wir schmissen unser Taschengeld in einen Pott, davon wurden obengenannWinvogel am Himmelten Sachen besorgt. Mit etwas Geschick und Mehlkleister bastelten wir unsere Windvögel. Erst kleine, dann größere und dann die Riesendinger. Es wurde gespannt, tariert, die Schwanzlänge angepasst bis das Ding endlich im Wind flog. Boah, ey. Was ein Zug auf der Leine, toll. „Sach ma, hat einer noch zwanzich Fennich. Dann hol noma 50 Meta Leine, abba zackich„. Die nächsten 50 Meter Leine wurden angeknotet und langsam dem Windvogel dazu gegeben, bis – ja bis die Leine unter dem Zug riss und der Vogel irgendwo in Langenbochum runterfiel. Aber toll war es trotzdem!